Lehre
Sultan Walad lehrte den Sufi-Weg seines Vaters. Da er wusste, dass viele Schüler Rumis Schriften schwer verstanden, deutete er sie in einfacherer Sprache neu, in Gedichten und in Lehrreden. In den türkischen Versen seines Rabab-nama bittet er den Leser, darum zu beten, dass das Selbst ausgelöscht werde, wie ein Tropfen im Meer aufgeht, und einen Menschen zu suchen und festzuhalten, dessen Seele durch Liebe lebendig ist. 1, 4
Für wen
Für Leserinnen und Leser, die sehen möchten, wie Rumis Lehre von seinem Sohn erklärt und weitergegeben wurde, in schlichten Lehrgedichten und Lehrreden. Er schrieb als muslimischer Sufi; dieser Katalog führt ihn unter den verwandten Wegen, und „nondual“ ist unser Wort dafür, nicht seines.
Leben und Orte
- Er wurde 1226 in Larende (Karaman) geboren, wo sein Großvater Baha al-Din Walad und später sein Vater Rumi an einer Madrasa lehrten. Die Familie zog nach Konya, als er drei Jahre alt war, und dort verbrachte er den größten Teil seines Lebens. 1
- Er diente Rumis engsten Gefährten Shams al-Din aus Täbris, Salah al-Din Zarkub und Husam al-Din Chalabi. 1246 brachte er Shams nach Konya zurück; nachdem Shams verschwunden war, wies Rumi ihn an, Salah al-Din Zarkub als seinen Scheich anzunehmen, dessen Tochter Fatima er heiratete. 1, 4
- Als Rumi 1273 starb, bewog Sultan Walad Husam al-Din Chalabi, Rumis Anhänger zu leiten; nach Husam al-Dins Tod 1284 wurde er selbst Oberhaupt des Ordens. 1, 2
- Er leitete den Orden bis zu seinem Tod 1312. In diesen Jahren schrieb er das Walad-nama (1291) und das Rabab-nama (1301) und sandte Vertreter in viele Teile Kleinasiens. 1, 4
Öffentlicher Zusammenhang
- Er war muslimischer Sufi-Scheich und Dichter, Rumis Sohn und späterer Nachfolger. Unter seiner Leitung wurden Rumis Anhänger zum ersten Mal zu einem organisierten Sufi-Orden geformt, den Mevlevi. 1, 3
- Er schrieb als Erster in Kleinasien Verse in nennenswertem Umfang auf Türkisch; E. J. W. Gibb nannte das Rabab-nama mit seinen türkischen Doppelversen den Ausgangspunkt der westtürkischen Dichtung. 1, 4
- Sein Walad-nama enthält eine Fülle von Angaben über das Leben Rumis und seines Kreises. 1
Werke
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Walad-nāma (Ebtedā-nāma) (The Book of Walad)
Buch · 1291 · Kitābkhānah-i Iqbāl, Tehran
Sultan Walads persisches Gedicht aus etwa 10.000 Doppelversen, 1291 nach dem Vorbild seines Vaters geschrieben. Es erzählt von Rumi und seinen Gefährten und lehrt den Sufi-Weg, mit einer Fülle von Angaben über das Leben von Rumis Kreis.
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Rabāb-nāma (The Book of the Rebec)
Buch · 1301 · McGill University Institute of Islamic Studies, Tehran branch, with the University of Tehran
Ein Sufi-Lehrgedicht in persischen Doppelversen, das mit einem Lob der Rebec (Rabab) beginnt, so wie das Masnavi mit der Rohrflöte. Es erläutert Seiten des Sufismus und Stellen aus Rumis Werken und enthält eine lange Reihe von Doppelversen auf Türkisch, die zu den frühesten Zeugnissen westtürkischer Dichtung gehören.
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Maʿāref (Discourses)
Buch · Mawlā, Tehran
Eine Sammlung von Sultan Walads Lehrreden in persischer Prosa. In ihrer schriftlichen Form sind sie stärker gegliedert als die Lehrreden Rumis in Fihi ma fihi.
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Dīvān-e Solṭān Walad (Collected Poems)
Buch · Kitāb-furūshī-i Rūdakī, Tehran
Seine Sammlung persischer lyrischer Gedichte, über 12.700 Verse, viele in Nachahmung von Rumis Ghaselen; sie enthält auch Verse auf Türkisch und einige auf Griechisch.
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Entehā-nāma (The Book of the End)
Buch · Intishārāt-i Rawzanah, Tehran
Sultan Walads letztes Gedicht in persischen Doppelversen, etwa 8.000 Verse, Lehren über die Glaubenssätze und die Praxis der Sufis gewidmet.
Die kurzen Zusammenfassungen sind unsere.
In eigenen Worten
Kurze Stellen in den Worten von Sultan Walad (Baha al-Din Muhammad Walad), jeweils mit Quelle. Ist der zitierte Text nicht in der Sprache dieser Seite, folgt eine Übersetzung mit dem Hinweis, von wem sie stammt.
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Praying, say to Him a-weeping dolefully: / ‘Through Thy grace divine do Thou have ruth on me; / ‘That I see Thee clearly, ope mine eyen wide; / ‘That I drop-like fall midmost the sea, and bide. / ‘E’en as when the drop into the sea doth run, / ‘Two they rest not, drop and sea become but one. / ‘So would I, e’en as that drop, become the sea; / ‘Die not, but e’en like the sea, alive would be!’
Im Gebet sag weinend und klagend zu Ihm: / ‚Hab durch Deine göttliche Gnade Erbarmen mit mir; / ‚öffne mir weit die Augen, dass ich Dich klar sehe; / ‚dass ich wie ein Tropfen mitten ins Meer falle und bleibe. / ‚So wie der Tropfen, wenn er ins Meer rinnt, / ‚nicht zwei bleibt: Tropfen und Meer werden eins. / ‚So möchte ich, wie jener Tropfen, das Meer werden; / ‚nicht sterben, sondern lebendig sein wie das Meer!‘
Übersetzung: unsere
Rabāb-nāma (The Book of the Rebec) · Turkish couplets of the Rabab-nama; Gibb, A History of Ottoman Poetry, vol. I (1900), p. 158 · archive.org Zitierte Übersetzung: English verse translation by E. J. W. Gibb (1900) from Sultan Walad's Turkish; lines separated by /. Gibb opens each line of the prayer with a quotation mark. -
Mazed and wildered at these words the wise abide: — / ‘How then hath the creature the Creator spied?’ / ‘No man sees that Face,’ ’tis thus I answer these, / ‘It is his own self reflected that he sees. / ‘God the Lord doth give to him of His own Light, / ‘By that Light doth he the Lord God clearly sight.’
Verwirrt und ratlos stehen die Weisen vor diesen Worten: — / ‚Wie hat denn das Geschöpf den Schöpfer erblickt?‘ / ‚Niemand sieht jenes Antlitz‘, so antworte ich ihnen, / ‚sein eigenes Selbst sieht er gespiegelt. / ‚Gott der Herr gibt ihm von Seinem eigenen Licht, / ‚durch dieses Licht sieht er Gott den Herrn klar.‘
Übersetzung: unsere
Rabāb-nāma (The Book of the Rebec) · Turkish couplets of the Rabab-nama; Gibb, A History of Ottoman Poetry, vol. I (1900), p. 158 (second passage) · archive.org Zitierte Übersetzung: English verse translation by E. J. W. Gibb (1900) from Sultan Walad's Turkish; lines separated by /, Gibb's footnote numbers left out. Gibb explains 'that Face' as the Face of God. -
Happy yonder soul whose very soul is Love, / And whose service on this Path is naught but Truth! / Dead the loveless soul must needs be held, I say; / Needs must find one who a Lover is straightway, / That he make the soul in thee alive through Love;
Glücklich jene Seele, deren innerste Seele Liebe ist / und deren Dienst auf diesem Weg nichts als Wahrheit ist! / Tot, sage ich, muss die lieblose Seele gelten; / sie muss sogleich einen finden, der ein Liebender ist, / damit er die Seele in dir durch Liebe lebendig macht;
Übersetzung: unsere
Rabāb-nāma (The Book of the Rebec) · Turkish couplets of the Rabab-nama; Gibb, A History of Ottoman Poetry, vol. I (1900), p. 160 · archive.org Zitierte Übersetzung: English verse translation by E. J. W. Gibb (1900) from Sultan Walad's Turkish; lines separated by /, Gibb's footnote number after 'Lover' left out. Gibb explains the Lover as a mystic, one in love with the Divine Beauty.
Dokumentierte Lehrbeziehungen
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Persönlich gelernt bei Dschalal ad-Din Rumi (Mevlana)
Die Encyclopaedia Iranica berichtet, Sultan Walad, Rumis Sohn, habe sich bewusst an seinem Vater ausgerichtet; nach Shams' Verschwinden wies Rumi ihn an, Salah al-Din Zarkub zu seinem Scheich zu nehmen, und ab 1284 leitete er Rumis Orden.
Biografische Überlieferung · iranicaonline.org , iranicaonline.org (2)
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Persönliche Begegnung mit Shams-i Tabrizi (Shams al-Din of Tabriz)
Die Encyclopaedia Iranica sagt, Sultan Walad habe Shams al-Din aus Täbris, einem der engsten Gefährten Rumis, gedient und ihn nach Konya zurückgebracht, nachdem er 1246 vertrieben worden war. E. J. W. Gibb nennt Shams unter den Sufi-Lehrern, in deren Dienst Sultan Walad seine Jugend verbrachte.
Biografische Überlieferung · iranicaonline.org , archive.org
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Persönliche Begegnung mit Husam al-Din Chalabi (Hasan ibn Muhammad, Ibn Akhi Turk)
Die Encyclopaedia Iranica sagt, Sultan Walad habe Husam al-Din Chalabi gedient und ihn nach Rumis Tod 1273 bewogen, Rumis Anhänger zu leiten; 1284 wurde Sultan Walad sein Nachfolger.
Biografische Überlieferung · iranicaonline.org , iranicaonline.org (2)
Lehrbeziehungen sind dokumentierte Aussagen. Sie begründen kein Vertrauen und bescheinigen keine Verwirklichung.
Quellen
- BAHĀʾ-AL-DĪN SOLṬĀN WALAD (Muhammad Isa Waley, 1988) · Encyclopaedia Iranica Namentlich gezeichneter Artikel in einer wissenschaftlichen Enzyklopädie über Rumis Sohn, vor allem gestützt auf sein Walad-nama abgerufen am 13 Okt 2026
- ḤOSĀM-AL-DIN ČALABI (Mohammad Estelami, 2004) · Encyclopaedia Iranica Namentlich gezeichneter Artikel in einer wissenschaftlichen Enzyklopädie über Rumis Schüler und ersten Nachfolger abgerufen am 13 Okt 2026
- IRAN viii. PERSIAN LITERATURE (2) Classical (Charles-Henri de Fouchécour, 2006) · Encyclopaedia Iranica Namentlich gezeichneter Überblicksartikel in einer wissenschaftlichen Enzyklopädie mit einem kurzen Abschnitt über Rumis Leben und Werk abgerufen am 13 Okt 2026
- A History of Ottoman Poetry, Bd. I, von E. J. W. Gibb (Luzac, London, 1900) · Internet Archive Scan einer wissenschaftlichen Literaturgeschichte von 1900 mit englischen Versübersetzungen von Sultan Walads türkischen Doppelversen; S. 151–162 gelesen abgerufen am 13 Okt 2026
- Masnavī-i Valadī, maʻrūf bih Valadnāmah, hg. von Jalāl Humāʼī (Kitābkhānah-i Iqbāl, Teheran 1936) · Open Library Bibliothekskatalogeintrag abgerufen am 13 Okt 2026
Von uns aus den genannten Quellen zusammengestellt. Zuletzt geprüft: 13 Okt 2026.
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